Lectio Divina Projekt beendet
„Aufbrechen ohne Landkarte“ unter diesem Motto stand das Praxisprojekt, das Heike Javernik, im Rahmen ihrer Theolokal-Ausbildung angeboten hat. Bei der Lectio Divina haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an vier Abenden Texte aus der Bibel gelesen und miteinander besprochen.
Bei Theolokal handelt es sich einen Zertifikatskurs, der vom Bistum Hildesheim angeboten wird. Der Kurs richtet sich an Menschen, die sich in der Kirche engagieren und Verantwortung übernehmen möchten. Theolokal bietet Raum, in einer verlässlichen Lerngruppe lebensrelevanten Themen mit Gegenwartsbezug theologisch auf den Grund zu gehen – kompetent begleitet. Hierzu gibt es sieben Module, die den inhaltlichen Schwerpunkt festsetzen. Weitere Informationen zu theolokal gibt es unter TheoLokal | Bistum Hildesheim.
Die Leseform der Lectio Divina beruht auf mehreren Schritten. Sie ist eine alte und zugleich derzeit wiederentdeckte Form die Bibel zu lesen, heißt es auf der Internetseite lectiodivina.de. Übersetzen kann man Lectio Divina nur schwer. Wörtlich übersetzt hieße es „göttliche Lesung“ doch meistens wird im Deutschen der Begriff „geistliche Schriftlesung“ benutzt. Die einzelnen Schritte der Lectio Divina werden hierbei mehrfach durchgeführt. Bei dem Projekt, was Heike Javernik in Maria Frieden in Göttingen anbot, gab es vier Grundgedanken, die eine Rolle spielten.
- Lesen und wahrnehmen des Textes
Hierzu wurde der Text mehrfach laut von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorgelesen. Dies diente dazu, den Text gründlich wahrzunehmen. Beim anschließenden Echolesen wiederholten die Anwesenden die Wörter oder Sätze, die ihnen beim Lesen besonders aufgefallen waren.
- Leseschlüssel
Zur Unterstützung bei der Textwahrnehmung werden im Rahmen der Lectio Divina verschiedene Leseschlüssel angeboten. Der erste heißt „Ich lese den Text“ und der zweite heißt „Der Text liest mich“.
- Stille
Dieser Gedanke soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern helfen sich intensiv mit dem Text und darin mit Gott auseinanderzusetzen. Deshalb sollten die einzelnen Schritte auch mit ausreichend Ruhe ausgeführt werden.
- Austausch
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigen sich aber nicht nur allein mit Gott, sondern tauschen sich auch mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ihre Gedanken zu dem Text und den Punkten der Leseschlüssel aus.
Beim ersten Abend der Lectio Divina in Maria Frieden stand der Text aus Genesis 28, 10-19 im Mittelpunkt. In diesem geht es um die Flucht Jakobs aus Beerscheba. Zur Einstimmung auf den gemeinsamen Leseabend und die Textstelle spielte Javernik das Lied „Geborgen im Segen“ ab. Im zweiten Schritt wurde das Lied dann auch mitgesungen. Im Echolesen zeigte sich, dass bei den Anwesenden insbesondere der Vers 15 in Erinnerung geblieben ist. Beim Austausch zum Text zeigte sich, dass die Formulierung wer zu Jakob spricht von Ausgabe zu Ausgabe variiert und auch die Beschreibungen des Ortes, an dem Jakob Rast macht, oftmals unterschiedlich sind. Beim zweiten Leseschlüssel berichteten die Teilnehmer davon, welche Orte sie als „Haus Gottes“ oder „Tor des Himmels“ bezeichnen würden. Hierbei zeigte sich, dass es kein bestimmter Ort sein muss, den man als „Haus Gottes“ bezeichnet.
Am zweiten Abend der Lectio Divina in Maria Frieden stand dann der Text „Versorgung erleben – auch in steiniger Wüste“ aus Numeri 20, 1-11 auf dem Programm. Bei den Fragestellungen zu diesem Text standen der Begriff Wasser sowie die Überlegungen wer, wann zu wem spricht im Mittelpunkt. Zudem war die Frage, wann sich die Not ins Gegenteil wendete. Bei den Fragen, was der Text mit einem selbst macht, zeigte sich, dass das nicht erfüllt sein der Grundbedürfnisse „Essen“ und „Trinken“ bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Unzufriedenheit führt. Auch zu den anderen Fragen tauschten sich die Teilnehmenden angeregt aus.
Unter dem Motto „Raum gewinnen“ stand der Text des dritten Abends. Es handelte sich hierbei um Markus 6, die Verse 6b bis 13. Dieses Mal näherten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Text nicht nur durch mehrfaches Lesen, sondern auch darüber mithilfe von Symbolen ihre Gefühle zu einzelnen Passagen auszudrücken. Bei den Fragen zum Text zeigte sich, dass es nicht für jede und jeden einfach gewesen wäre, dem Wort Jesus zu vertrauen und einfach loszuziehen.
Zum Abschluss der Veranstaltung beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Text „Sich beschenken lassen“ aus Matthäus 6, die Verse 24 bis 34. Der erste Leseschlüssel stellte hierbei die Frage nach Verben, die im Text häufig vorkommen. Dies waren die Wörter, sorgen, dienen und anziehen. Beim zweiten Leseschlüssel berichteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer davon, dass sie in ihrem Handeln auf Gott vertrauen wollen. Und zudem andere Menschen so zu lassen, wie sie sind und ihnen nicht ihren Blickwinkel aufzwingen wollen.
Zum Abschluss des Lectio Divina Projektes waren sich bei abschließenden gemeinsamen Abendessen, das zu jedem der vier Abende dazugehörte, einig, dass sie sich eine Fortsetzung des Projektes gut vorstellen können.
Vera Wölk, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit












