Verleihung des Edith-Stein-Preises an Nora Bossong

Die Schriftstellerin Nora Bossong wurde am Sonntagabend mit dem Edith-Stein-Preis ausgezeichnet. Die Verleihung des vom Göttinger Edith-Stein-Kreises vergebenen Preises erfolgte im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes im Alten Rathaus in Göttingen. 

Nora Bossong wurde 1982 in Bremen geboren. Ihr Abitur legte sie 2001 am Göttinger Hainberg-Gymnasium ab. Nach dem Abitur studierte Nora Bossong unter anderem Literatur am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig sowie Kulturwissenschaft, Philosophie und Komparatistik an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Potsdam und der Universität La Sapienza in Rom.

Zu Beginn der Preisverleihung blickte der Vorsitzende des Edith Stein-Kreises, Heiner J. Willen, auf die Anfänge des Preises zurück, der in diesem Jahr zum 15. Mal vergeben wurde. Er berichtete auch, dass mit Nora Bossong erstmals eine Schriftstellerin den Preis erhält. In diesem Zusammenhang dankte er den Verantwortlichen des Literaturherbstes dafür, dass die Verleihung während der Veranstaltung möglich war.

Prof. Dr. Heinrich Detering stellte den Zuhörerinnen und Zuhörern nicht nur den Werdegang von Nora Bossong vor, sondern ging auch mit ihr in den Austausch zu ihren Werken. So hat Bossong bislang neben drei Gedichtbänden und fünf Romanen auch mehrere Essay-Bände veröffentlicht. Im Gespräch ging es unter anderem um ihre Werke „Rotlicht“ und „Schutzzone“.

Das Augenmerk des Abends lag aber auf Bossongs aktuellem Werk „Reichskanzlerplatz“, das von Magda Goebbels, der Frau von Joseph Goebbels handelt. Die Geschichte wird aus der Sicht der fiktiven Figur Hans Kesselbach erzählt. „Wie bist du auf einen schwulen Schüler als Erzähler gekommen?“, wollte Detering von der Autorin wissen. Nach Angaben Bossong habe es die Figur schon länger gegeben und es sei klar gewesen, dass sie einen Schulfreund bekomme. Die Schriftstellerin berichtete auch davon, dass sie sich beim Schreiben ihrer Werke in die jeweilige Figur einfühle. „Das war bei Hans einfacher als bei Magda Goebbels“, sagte Bossong. Für sie sei es auch nicht vorstellbar gewesen, aus der Ich-Perspektive über Magda Goebbels zu schreiben. Im Mittelpunkt habe_ für sie bei „Reichskanzlerplatz“_ die Frage gestanden, wie Magda Goebbels zu dem wurde, was sie am Ende war. „Auf sie haben ihr Umfeld und die Schicksalsschläge, die sie erlitten hat, eingewirkt. Sie war nicht nur ein Spielstein, sondern sie hat auch aktiv Spielsteine geschoben“, erklärte Bossong. 

Zwischen den einzelnen Gesprächsblöcken mit Prof. Dr. Heinrich Detering las Bossong mehrere Passagen aus dem Roman vor. Ein Thema des Gespräches war auch die Rolle der Frau in der Kirche. Denn Nora Bossong ist engagierte Katholikin und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. „Aus meiner Sicht ist es in der Nachfolge Jesus zutiefst christlich, sich mit denen zu treffen, die von der Gesellschaft ausgegrenzt werden“, erklärte die Schriftstellerin. Zum Thema Priesterweihe für Frauen sagte sie, dass die Kirche nicht den Willen habe, Frauen zu weihen. „Es ist schwierig, dass die Theologie und die Kurie hier an anderen Punkten sind. Denn dadurch kann man nicht sagen, dass es Gottes Wille ist, sondern es ist von Menschen gemacht“, so Bossong. Sie wünsche sich für Papst Leo XIV., dass er ein hörendes Herz habe. 

Bei der anschließenden Verleihung des Edith-Stein-Preises erklärte Nora Bossong, dass dieser Preis unter den zahlreichen Preisen, die sie bereits erhalten habe, heraussteche. „Das Leben der Edith Stein beeindruckt mich“, sagte Bossong.  Der Edith-Stein-Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Mit dem Geld will die Schriftstellerin zwei Projekte unterstützen.

Vera Wölk, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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