Dankbar sein für das Leben

Das Projekt „Gute Hoffnung“ der Gemeinde St. Paulus erhält einen Bonifatiuspreis

 

 

Stille breitet sich aus im Pfarrsaal der Gemeinde St. Paulus im Osten von Göttingen. Mütter und Väter nehmen ihre unternehmungslustigen Babys auf den Arm und das Buffet ist für einen Moment  verwaist, als die beiden Jungen in Hemd und Fliege zu ihren Instrumenten greifen. Hochkultur für die Kleinsten und ihre Eltern – auch das gehört zum Brunch für Schwangere und Neugeborene. In der Einladung wird um festliche Kleidung gebeten. Sigrid Goldmann und Natalia Schott, die mit ihren Babys hier sind, gefällt diese Atmosphäre. „Kinder zu haben sollte man feiern“, finden sie.
Das ist genau das, was Barbara Mallek tun möchte. Die engagierte Katholikin hat das Projekt „Gute Hoffnung“ in ihrer Gemeinde Anfang des Jahres gestartet. Los ging es mit einem wöchentlichen Gebetstreffen für Schwangere, bei dem das Bibelteilen im Mittelpunkt steht.  Aber sie wollte noch mehr Mütter erreichen, auch weniger fromme. Deswegen entstand die Idee, zum Brunch einzuladen. „Wir möchten zeigen, dass wir dankbar für das Leben sind“, sagt die Biologin. Seit ihrer Studienzeit hat sie vielen Freundinnen und Bekannten während der Schwangerschaft zur Seite gestanden. Oft stelle sie fest, dass sogar Frauen, die gut situiert sind und in einer stabilen Beziehung leben, ihre Schwangerschaft nicht genießen können. Sie schämen sich für ihren Körper - oder dafür, dass sie sich mehr als die statistisch üblichen ein bis zwei Kinder wünschen.   „Mein Anliegen ist, eine neue Kultur zu fördern, in der Schwangerschaften begrüßt werden“, sagt die Mutter von sieben zum Teil schon erwachsenen Kindern. Ihr Engagement wird jetzt mit dem dritten „Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln in Deutschland“ ausgezeichnet.  Er wird am 3. November in Stuttgart zur Eröffnung der Diaspora-Aktion 2013 des Bonifatiuswerkes verliehen.

Nachdem sie jahrelang geträumt und geplant hat, hat Barbara Mallek ihr Projekt 2013 im Alleingang gestartet. Inzwischen freut sie sich über Unterstützung von rund zwanzig Menschen aus der Gemeinde und der Nachbarschaft.  Elisabeth Teubner zum Beispiel sorgt beim Brunch für den Blumenschmuck. Sie hat für die Besucher einen Guckkasten gebastelt, durch den man die Welt mit den Augen eines Babys sehen kann. „Ich bin ein Baby-Fan“, sagt sie. „Weil ich noch keine Enkelkinder habe, freue ich mich hier an anderen Kindern.“ Auch das, vermutet Barbara Mallek, hat die Jury überzeugt: Ihr Projekt verbindet die Generationen.

Ewa Myszka ist schon seit ihrer Schwangerschaft dabei. Erst hat sie die Gebetstreffen für Schwangere besucht, dann mit ihrer kleinen Tochter die Stillgruppe bei Kinderkrankenschwester Ute Schmidt und demnächst die Krabbelgruppe der Gemeinde. „Der Kontakt zur Gemeinde ist durch die Kinder entstanden“, sagt die 37-Jährige. Bei Irena Glavas war es ähnlich: Sie hat als Schwangere einen Glaubenskurs besucht – auch weil sie sich in dieser Lebensphase der Frage stellen wollte, welche Werte sie ihrem Kind vermitteln will. Beim ersten Brunch im Juni war sie noch schwanger, jetzt ist sie mit ihrem neu geborenen Baby hier. „ich bin nicht katholisch“, erzählt Sigrid Goldmann. Aber die Risiken, die in der Schwangerschaft drohen, und die Hoffnung, dass alles gut geht, machen besonders sensibel für spirituelle Fragen, findet sie.

Der Gemeinde St. Paulus ist es wichtig, ein lückenloses Angebot für jede Phase des Familienlebens zu machen. Die betreute Gruppe für Kinder ab zwei Jahren, die Erzieherin Ursula Feichtinger dreimal wöchentlich anbietet, erleichtert Eltern den Wiedereinstieg in den Beruf. Und Barbara Mallek hat schon die nächste Idee, wie man neues Leben feiern kann: Am 17. November lädt sie zu einem Nachmittag mit internationalen Wiegenliedern ein.