Die Aufbruchstimmung noch einmal erleben

Alle katholischen Gemeinden und das Katholische Bildungswerk erinnern gemeinsam mit einem umfangreichen Programm an das Zweite Vatikanische Konzil vor 50 Jahren

 

 

„Das war das größte Kirchenereignis des 20. Jahrhunderts“, kommentiert Ingeborg Hesse:  Vor fünfzig Jahren trafen sich rund 2.500 führende katholische Köpfe im Vatikan, um der Kirche ein neues Gesicht zu geben. „Wir haben damals selbst als 17-jährige gespürt, dass sich eine Aufbruchsstimmung verbreitete“, erinnert sich die Vorsitzende des Katholischen Bildungswerkes Göttingen. „Aber wirklich verstanden, was das Zweite Vatikanische Konzil bedeutete, haben wir erst, als überall die Gottesdienste in der Landessprache gefeiert wurden. Ganz neue Lieder erklangen plötzlich in den Kirchen.“

An die Aufbruchstimmung von damals möchte das Bildungswerk mit einer Ausstellung erinnern, die vom 18. bis 30. Oktober in der Kirche St. Heinrich und Kunigunde in Göttingen-Grone und vom  1. bis 17. November im Foyer des Neuen Rathauses zu sehen ist. Begleitet wird sie von einem umfangreichen Rahmenprogramm, an dem sich alle katholischen Gemeinden in Göttingen beteiligen. Die Gemeinden nicht-deutscher Muttersprachen von Ukrainisch bis Spanisch laden dazu ein, ihre Gottesdienste mitzufeiern und anschließend bei Spezialitäten aus ihren Heimatländern ins Gespräch zu kommen.

Das Konzil hat Katholiken dazu ermutigt, Kontakte zu Gläubigen anderer Konfessionen und Religionen zu pflegen. Auch das wird im Rahmenprogramm zum Thema: Eine Exkursion unter der Leitung der Göttinger Kunsthistorikerin Tina Wilhelm führt am 10. November zum Gelliehäuser Altar, einem zeitgenössischen Kunstwerk in der romanischen evangelischen Kirche, und schließt mit einer ökumenischen Andacht. Zahlreiche Gäste beleuchten verschiedene Aspekte des Konzils, darunter  Prof. Dr. Jürgen Manemann, der Leiter des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover (29.10.), der österreichische Theologe Pater Dr. Martin Leitgöb  und der Hannoversche Kabarettist Matthias Brodowy (12.11.)

„Über den Sinn des Zölibats und über Frauen im Priesterberuf wurde schon damals diskutiert. In diesen Fragen ist noch immer keine Bewegung in Sicht“, kritisiert Ingeborg Hesse. Mit der Ausstellung und dem Rahmenprogramm will das Bildungswerk die Diskussion über die Frage neu beleben, was die Kirche heute braucht. „Vielleicht wecken wir ja ein wenig Konzilsatmosphäre, dieses aufregende Gefühl der spirituellen und intellektuellen Suche“, hofft Prof. Dr. Matthias Freise vom Vorstand  des Bildungswerkes.