Ein neues Gesicht im Untereichsfeld

Torsten Thiel leitet die Katholische Bildungsstätte St. Martin in Germershausen

Torsten Thiel (43) ist mit halber Stelle neuer Leiter der Katholischen Bildungsstätte St. Martin in Germershausen. Dazu hat ihn der Hildesheimer Generalvikar Dr. Werner Schreer mit Wirkung zum 1. Januar ernannt. Thiel löst Augustinerpater Lukas Schmidkunz OSA ab, der Germershausen im Sommer verlässt, um andere Aufgaben im Orden zu übernehmen.

 

Hildesheim/Germershausen (bph) Weniger Öffnungstage, dafür mehr Auslastung – mit dieser Formel will das Bistum Hildesheim als Träger der Katholischen Bildungsstätte die Rentabilität des Hauses erhöhen und damit den Zuschussbedarf senken. In Zukunft wird das Haus in traditionell schwach ausgelasteten Zeiten, etwa ein Drittel des Jahres, geschlossen bleiben, dafür soll der neue Leiter während der Öffnungszeiten neue Zielgruppen an das Haus binden.

Große Herausforderungen warten also auf den neuen Hausleiter, für die er aber gut vorbereitet ist. Thiel bringt viel Bildungserfahrung mit nach Germershausen, von denen das Haus profitieren soll. Seit 1997 ist der Theologe und Pastoralreferent mit halber Stelle für die katholische Polizei-, Zoll- und Feuerwehrseelsorge im Bereich der Polizeidirektion Göttingen zuständig. Dazu gehört auch ein Lehrauftrag für Berufsethik an der Polizeiakademie Niedersachsen in Hannoversch Münden. Diese Schnittstelle zwischen Kirche, Gesellschaft und Staat interessiert ihn bis heute ungemein. „Ich habe mehr Castorerfahrung als so mancher Polizist“, sagt Thiel nicht ohne Stolz.

In diesen Jahren haben sich Kontakte aufgebaut, die in Zukunft vielleicht die eine oder andere Gruppe nach St. Martin locken. Und auch Thiels Erfahrungen aus dem Dekanat Göttingen könnten nützlich sein. Dort war der junge Theologe ebenfalls seit 1997 bis Ende des vergangenen Jahres auf einer halben Stelle beschäftigt. Mit seinem Namen verbinden sich vor allem die Jugendseelsorge im Dekanat, der Aufbau eines Jugendhauses an St. Michael in Göttingen und die „Firmuni“. Bei diesem Projekt ging Thiel neue Wege in der Firmvorbereitung junger Menschen. „Ich habe gemerkt, dass unsere Firmlinge immer weniger Interesse hatten, sich monatelang regelmäßig zu treffen“, erklärt der 43-Jährige. Sein Lösungsansatz war ebenso einfach wie erfolgreich: Um sie auf die Firmung mit dem Bischof vorzubereiten, lud er die Heranwachsenden in einen Hörsaal der Göttinger Universität, wo sie sich mit interessanten Persönlichkeiten auseinander setzten. Bischof Norbert Trelle war im vergangenen Jahr zu Gast, ebenso ein Medizinprofessor. „Als der von sterbenden Kindern sprach, hätte man eine Stecknadel fallen hören können“, zeigt sich Thiel noch heute ergriffen. Diese Aufgabe hat er nun vor wenigen Wochen schweren Herzens abgegeben.

Torsten Thiel stammt aus Gifhorn und hat in der dortigen Pfarrgemeinde St. Bernward eine „klassische katholische Karriere“ mit Ministranten- und Jugendarbeit durchlaufen, wie er heute sagt. Da war der Weg zur Theologie nicht weit. Doch zunächst leistete Thiel seinen Wehrdienst als Funker beim Panzergrenadierbataillon in Wesendorf ab – eine Entscheidung, die er später korrigierte indem er nachträglich verweigerte. Bis 1994 hat er dann Theologie in Münster studiert und dabei eine mehrmonatige Studienpause eingelegt, um bei einem Praktikum in der Klinikseelsorge die Theorie durch praktische Erfahrungen abzurunden. Danach stellte ihn das Bistum Hildesheim als Pastoralassistenten an und bildete ihn drei Jahre im Dekanat Göttingen zum Pastoralreferenten aus. Torsten Thiel ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zehn und 13 Jahren.