Erinnerung an einen Lebenshauch

Göttinger Seelsorger beerdigen „stillgeborene Kinder“

Göttingen (kpg) – „Ein Hauch von Leben – unvergessen“ steht auf der Stehle des Grabfeldes der evangelischen Kirchengemeinde St. Petri in Göttingen-Weende. Ein Hauch von Leben. Ein Leben, das nie die Chance hatte, sich zu entfalten. Auf dem Gräberfeld sind die bestattet, die es von Rechts wegen gar nicht müssten: Kinder, die bei ihrer Ankunft auf die Welt weniger gewogen haben als 500 Gramm: Frühchen, Totgeburten, Schwangerschaftsabbrüche. „Nicht bestattungspflichtige Kinder“ heißt das im Fachjargon, „stillgeborene Kinder“ sagen die Seelsorger.

Drei Mal im Jahr bestatten Pastor Wolfgang Petrak und Annette Stechmann, katholische Seelsorgerin am Universitätsklinikum in Göttingen, diese Kinder, das nächste Mal am 20. Januar. In kleinen Särgen werden sie beerdigt, oft haben die Eltern Decken oder Kuscheltiere mit hineingelegt. „Diese Eltern dann bei der Bestattung zu sehen, das geht mir schon sehr ans Herz. Aber für mich sind auch diese Kinder Geschöpfe Gottes. Sie haben das Menschenrecht auf eine würdige Bestattung. Deshalb mache ich das.“ Mit den Beerdigungen reagierten Petrak und Stechmann auf eine Initiative der Göttinger Krankenhäuser, zumal die Alternative eine anonyme Bestattung oder – auch für Stechmann unvorstellbar – der Klinikmüll ist.

Auch Trauerbegleitung gehört für die Seelsorger dazu. Diese erfahren die Eltern aber auch in Anlaufstellen wie zum Beispiel der Initiative „Regenbogen“. Hier engagiert sich Maren Dostal ehrenamtlich. Vor einigen Jahren hat sie selbst eine Tochter verloren. Heute ist sie Mutter eines gesunden Kindes. Die Trauer ist dennoch nicht verblasst. „Für mich ist das ein Stück Trauerarbeit.“

Die nächste ökumenische Bestattung stillgeborener Kinder auf dem Gräberfeld hinter der St. Petrikirche ist am 20. Januar 2010 um 10 Uhr. Weitere Termine: 12. Mai, 15. September, jeweils um 10 Uhr.