Fasten, Beten, Werke der Barmherzigkeit

Zu Beginn der Fastenzeit haben sich viele von uns kleine Enthaltsamkeiten auferlegt. Und jetzt … ?

Die aktuelle Krisensituation legt uns richtige Enthaltsamkeit auf. Es geht für viele an die Schmerzgrenze.  Kontakte müssen auf Telefon oder Internet begrenzt werden. Einkaufen geht nur noch in Lebensmittelläden oder im Internet. Auf dieser Ebene haben wir gerade echt genug. Ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Folgen für viele von uns.

Aber die Fastenzeit ist nicht einfach eine Zeit der Konsumreduktion oder gar des Abnehmens von zu vielen Kilos. Es ist eine Zeit, in der wir uns mehr für die Gegenwart Gottes öffnen wollen. Wenn wir uns nur kasteien, ist die Gefahr groß, dass wir davon schlechte Laune bekommen. Und das ist genau das Gegenteil von dem, um was es eigentlich geht.

Deshalb hat das Fasten in der Tradition der Kirche immer zwei Flügel an der Seite. Flügel, die unsere Seele in dieser Zeit nach oben tragen.

Flügel Nummer 1: Beten. Wir nehmen uns Zeit, unsere Herzen vor Gott zu halten. Dabei scheint mir gerade in diesen Tagen wichtig, dass wir innerlich still werden und immer neu alles loslassen, was uns beschäftigt: meine Pläne, meine Ängste, meine Pflichtgefühle, meine Konflikte, mein Ärger und so weiter und so fort. Wenn ich beim stillen Beten merke, dass ich  um mich selbst kreise - also um die Unruhe, die sich in mir breit macht - dann atme ich dreimal aus und wieder ein und versuche das alles loszulassen. Man könnte es auch nennen: ich kapituliere. Ich versuche nicht krampfhaft mein Leben in den Griff zu bekommen. Im Gegenteil: in meiner ganzen Wehrlosigkeit und Ohnmacht halte ich mich Gott hin. Ich lasse alles los, in Gottes Namen. Das ist meine Lieblingsgebetsübung in diesen Tagen der Sorge.

Flügel Nummer 2: Almosen geben. Das ist ein furchtbar altmodisches Wort. "Werke der Barmherzigkeit" könnte man das auch nennen. Es geht darum, auch hier mich selbst loszulassen und aufzumerken: Wo kann ich unter den gegebenen Umständen anderen Menschen etwas Gutes tun? Da gibt es viele Möglichkeiten. Ich kann Leute anrufen, von denen ich annehme, dass sie sich über einen Anruf freuen. Ich kann auch was für Menschen einkaufen, wenn Sie mich darum bitten. Und ich kann etwas von meinem Geld teilen mit Menschen, die bedürftiger sind als ich.

Hier möchte ich an die Fastenaktion von Misereor erinnern. Misereor kümmert sich nicht nur um die Menschen in meiner Reichweite. Das Hilfswerk unterstützt Menschen weltweit. Damit Misereor das auch in Zeiten des Corona-Virus tun kann, braucht es unsere Hilfe. Normalerweise geht die Kollekte am Fünften Fastensonntag an Misereor. Das wird dieses Jahr so nicht möglich sein. Deshalb hier ein Link auf die Website von Misereor mit allen Infos und auch der Möglichkeit einer Online-Spende.

In vielen Kirchen - und natürlich auch in Sankt Michael - liegt gedrucktes Material aus, das ich sehr zur Lektüre empfehle.

Lassen Sie uns diese Fastenzeit als geistliche Zeit begehen: in aller auferlegten Entsagung auch mit Gebet und Werken der Barmherzigkeit.