Geistlicher Impuls zum Dienstag in der Fünften Fastenwoche

Blicken wir zu Ihm auf!

Das Evangelium und andere Texte für den heutigen Tag finden Sie in der Online-Kalender-Version des Schott-Messbuches der Erzabtei in Beuron.

 

IMPULS

 

Zu wem schauen wir auf und wo schauen wir weg? Mit diesen Fragen haben es heute die Lesungen zu tun. Es geht in der Lesung aus dem Alten Testament um das eindrucksvolle Bild von der kupfernen Schlage. Mose hängt sie an einer Signalstange auf, damit die von Schlangen gebissenen Israeliten auf ihrem Weg durch die Wüste nicht an dem Biss sterben. Jeder, der aufblickte, blieb am Leben.

Für mich hat dieses Aufblicken zur Schlange etwas damit zu tun, dass die Gebissenen hinblicken sollten auf die eigene Schuld, die zum Gebissenwerden führte. Der Weg der Fastenzeit zu Umkehr und Buße hat es mit diesem Mut zum Hinschauen zu tun. Mit dem Mut zur Wahrheit. Hat es damit zu tun, dass ich eigene Schuld zugebe und zugestehe Ja dieser Biss hat etwas mit meinem Verhalten zu tun. Und das trifft mich jetzt und gefährdet das Leben. Darauf schaue ich.

Dieses Aufschauen hat etwas Heilsames, besonders, wenn es mit dem Aufblick zum Kreuz in Beziehung gesetzt wird. Wer zum Kreuz aufblickt, zu dem dort angenagelten Christus, begegnet dem, was wir Menschen immer wieder einander antun. Wir begegnen der Schuld, auch der eigenen Schuld, auch dem eigenen Tun.

Aber indem wir zu Christus aufschauen und diese Wahrheit bekennen, kommen Heil, Barmherzigkeit und Leben zu uns. Und das habe ich selbst oft im eigenen Leben erfahren: Aufblicken zum Kreuz – jetzt verhüllt, aber am Karfreitag enthüllt – hat diese beiden Seiten: ich begegne der eigenen schmerzlichen Wahrheit und ich begegne der alles heilenden Barmherzigkeit Gottes.

Blicken wir zu Ihm auf!

Thomas Gertler SJ