Geistlicher Impuls zum Donnerstag in der Fünften Fastenwoche

"Amen, amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich."

Das Evangelium und andere Texte für den heutigen Tag finden Sie in der Online-Kalender-Version des Schott-Messbuches der Erzabtei in Beuron.

 

IMPULS

Von den wenigen Aussagen, die Jesus über sich selbst gemacht hat, ist wohl die Bekannteste die Bezeichnung "Menschensohn". Im Matthäusevangelium sagt Jesu über sich selbst: "Siehe, hier ist mehr als Salomo!“ (Mt 12,42). Salomo war König von Israel, zu dem die Königin von Saba gekommen war, um ihn zu hören. Jesus ist mehr.

 

An der gleichen Stelle sagt Jesus über sich: „Hier ist mehr als Jona.“ Auf dessen Predigt hin hatte sich der alttestamentlichen Jona-Erzählung zufolge die damalige Weltstadt Ninive bekehrt. Jesus sah sich selbst als den letzten Boten Gottes an das Volk Israel. Das ist mehr als Salomo oder Jona waren.

Was Jesus aber im heutigen Johannesevangelium über sich sagt, geht noch viel weiter. Die folgende Aussage fällt in einer der Auseinandersetzung mit seinen jüdischen Volksgenossen, die ihn reizen wollen und fragen: „Bist du etwa größer als unser Vater Abraham?“ Alle Stämme des Volkes Israel führen sich auf den Stammvater Abraham zurück. Und selbstverständlich ist Jesus als Jude auch ein Kind Abrahams.

In dieser Situation lesen wir die erstaunliche Antwort Jesu: „Amen, amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich“ (Joh 8,59).

Jesus - vor aller Zeit. Jesus - unmittelbar von Gott! Jesus - Gott, der sich uns selbst aussetzt.

Kann ich es glauben? Die Menschen, die Jesus damals fragten, konnten und wollten es nicht. Sie wollten ihn lieber steinigen – und ein paar Tage später kreuzigten sie ihn.

Thomas Gertler SJ