Psalmen an der Leine

Göttinger Michaelsgemeinde fertigt eigenen Psalter an

Göttingen (sef) - Die Psalmen sind das Gebetbuch der Bibel. Seit Jahrtausenden erfreuen sich die Menschen am religiösen Reichtum der Verse. Dem Leser dienen sie als Gedicht, Gebet oder auch als Lied, um tiefste menschliche Erfahrungen und Emotionen auszudrücken.
Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen hat das Projekt „Göttinger Psalter 2012“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, jeden der 150 Psalmen der Bibel mindestens einmal darzubieten. So gibt es seit dem ersten Advent zahlreiche spannende Veranstaltungen, um die Psalmen in Predigten, szenischen Aufführungen, Konzerten, Vorträgen, Ausstellungen oder Aktionen für Kinder zu gestalten.
Auch die katholische Gemeinde St. Michael beteiligt sich auf besondere Art an dem Projekt: Über 200 Gemeindemitglieder fertigten die 150 Psalmen auf ihre ganz individuelle Art an, schrieben und illustrierten den Text auf originelle und kreative Weise.
Dabei sind bemerkenswerte Ergebnisse zustande gekommen, die am dritten Advent in der Michaelskirche gezeigt wurden: An Wäscheleinen aufgehängt, auf Tischen ausgelegt zierten die teilweise sehr kunstvoll angefertigten Blätter die Kirche. Schon kurz nachdem die Blätter hingen, kamen interessierte Besucher: “Manche suchten nach “ihrem” Psalm, der sie immer besonders begleitet hat. Für ein evangelisches Paar beispielsweise der Psalm ihres Konfirmationsspruches”, erzählte Karin Steinfeld-Bartelt, die zusammen mit ihrem Mann die Organisation des Projekts geleitet hat. Für sie und die Mitglieder des Familienkreises 88 hat sich die Aktion auf jeden Fall gelohnt: “Den ganzen Tag war Betrieb in der Kirche”, das zeugt von regem Interesse.
Das Projekt spiegelt auch die Vielfalt dieser sehr lebendigen Gemeinde wieder:
Ob achtjähriges Kind, über Achtzigjährige, Schulkind oder Professor, Pater oder Skeptiker, alle waren eifrig dabei: „Ich freue mich, Ihnen diese Gemeinde so zeigen zu können“, so Pater Manfred Hösl. Von ihm kam die Idee, die gestalteten Psalmen in Bücher zu binden: Während seiner Zeit als Kollegseelsorger in St. Blasien hatten 400 Schüler das Johannesevangelium zum Jahr der Bibel abgeschrieben
Bei einige Blättern waren richtige Profi-Kalligraphen am Werk, haben den Text mit kunstvollen Initialen ausgestattet. Andere sind schlichter gehalten mit bunten, kleinen Verzierungen. Manches ist in Sütterlin oder in Hebräisch verfasst. Psalm 107 gibt es zusätzlich in Blindenschrift. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt, so setzte der Gestalter von Psalm 57 assoziative Bezüge zum modernen Alltag. Einer komponierte sogar ein eigenes Stück für seinen Psalm.
„Ganz unterschiedliche und wunderschöne Psalmenseiten sind entstanden, jeder mit einer persönlichen Note des/der SchreiberIn versehe“, so Georg Bartelt.
Nach der Ausstellung gehen die Blätter in die Buchbinderei zum Schneiden und Binden. Dann entstehen zwei dicke Bücher im Schuber. Dort werden auch alle Schreiber aufgeführt, ohne dass sie den Psalmen zugeordnet werden können.
Im Rahmen eines festlichen Gottesdienst stellt die Gemeinde am 22.01.2012 ihren Michaelspsalter in Buchform vor, um ihn anschließend „in Betrieb zu nehmen“.
Weitere Informationen sind auf der Seite www.goettinger-psalter.de zu finden.
(sef)