Renoviertes Michaelsviertel präsentiert sich der Öffentlichkeit

Göttingen (kpg) – Eigentlich sind sie nur Nachbarn, die Bewohner des Michaelsviertels in Göttingen. Was sie verbindet: Sie alle sind Einrichtungen der katholischen Kirche, die sich in den vergangenen Jahren zwischen Kurzer Straße, Turmstraße und Nicolaistraße angesiedelt haben. Bei einem Tag der offenen Tür wurden nun das Jugendhaus sowie die neuen Räume des Beratungszentrums „Ancora“ eingeweiht. Damit ist die Neugestaltung des Michaelsviertels abgeschlossen.

Die Pfarrgemeinde St. Michael, die Jesuitenkommunität, die Beratungsstellen „Mensch und Arbeit“ sowie „Ancora“, die City- und Passantenpastoral: Sie alle sind nach Umbauarbeiten und Verlegung der Zugänge über den Innenhof des Michaelsviertels zu erreichen. Ein neues großes Eingangsschild verweist auf den Zugang zwischen Michaelskirche und katholischer Hochschulgemeinde. Einzig der Soziale Mittagstisch ist noch über die Turmstraße zu erreichen, die Buchhandlung über die Kurze Straße.

Komplett neu renoviert wurden die Räumlichkeiten des Beratungszentrum „Ancora“ (lateinisch für „Anker“): Wände wurden eingezogen, Decken abgehängt und neu gestrichen. Entstanden ist ein großer heller Tagungsraum, Besprechungszimmer und Büroräume. In der bisher fremd vermieteten ersten Etage der Turmstraße 5 befinden sich nun die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung und die von der Klinikseelsorge neu initiierte Seelsorge und Beratung für psychatrieerfahrene Menschen. Pastoralreferent Wolfgang Friedl, Seelsorger im Landeskrankenhaus, steht hier nicht nur ehemaligen Patienten und psychisch Erkrankten, sondern auch ihren Angehörigen für Gespräche zur Verfügung.

„Der Anker ist das christliche Symbol für Hoffnung“, so die Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Annette Karr-Schnieders, „und genau das wollen wir hier tun: den Menschen Hoffnung vermitteln.“ Die Mitarbeiter von Ancora bieten deshalb zusätzlich zu den Beratungsangeboten in Zusammenarbeit mit Pfarrgemeinden und der Cityseelsorge zum Beispiel Einkehrtage, Vorträge oder Gesprächskreise an. Außerdem ist eine Zusammenarbeit mit der Gefängnisseelsorge geplant, die hier Angehörige von Inhaftierten der JVA begleiten will. Dechant Norbert Hübner wünschte bei der Segnung der Räume allen, die herkommen, „die Chance, nach allem Versagen wieder ein Morgen zu haben“.

Durch den Umzug der Ehe-, Familien- und Lebensberatung - sie war bereits vorher am Michaelsviertel ansässig – wurde das „gelbe Haus“ frei, das nun der Jugend des Dekanates Göttingen zur Verfügung steht. Zwei Jahre lang war in den Dekanaten Göttingen und Nörten-Osterode offiziell niemand für die katholische Jugendarbeit zuständig. Jetzt hat Jugendreferentin Sigrid Nolte das Haus bezogen – mit vielen Plänen im Gepäck: Einen Jugendtreff will sie hier aufbauen, in den jeder ganz zwanglos und unverbindlich kommen kann. Ein weiteres Zimmer im gelben Haus will sie zu einem Meditationsraum umgestalten: „Nicht so, wie man sich den typischerweise vorstellt, sondern ganz speziell auf Jugendliche zugeschnitten.“ Darüber hinaus sieht sich die 44-Jährige als „Verbindungsglied“ für die Jugendgruppen in den einzelnen Kirchengemeinden in Göttingen und im Harz. Zu ihren Aufgaben gehört auch, Ehrenamtliche zu Leitern von Jugendgruppen auszubilden. Dass das Jugendhaus jetzt wieder besetzt ist, ist für die gebürtige Gieboldehausenerin vor allem deshalb wichtig, „weil Jugendliche, denen ihr Glaube wichtig ist, einen Ort und Gleichgesinnte brauchen. Und das bieten nur wir.“

Und noch etwas bietet das Michaelsviertel für Pater Heribert Graab, Pfarrer der Gemeinde St. Michael: Es bündelt die vorhandenen katholischen Angebote der Stadt. „Wir nutzen die vorhandenen Ressourcen gemeinsam“, so der Jesuit. Und Mechthild José-Thumbeck, verantwortlich für die City- und Passantenpastoral, ergänzt: „Gemeinsam erreichen wir ein breiteres Publikum.“