Vertrauen stärken

Fachtagung zum Thema Kindeswohl in Göttingen und Neu Wulmstorf

Lesen Sie hier ein Interview mit Sigrid Nolte, Leiterin des katholischen Jugendhauses in Göttingen.

Göttingen (kpg) – Kinder und Jugendliche schützen und stark machen, darum geht es in einer Fachtagung zum Thema Kindeswohlgefährdung des Bundes der deutschen katholischen Jugend, BDKJ, in Göttingen und Neu-Wulmstorf. Die Tagung richtet sich an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit sowie an Interessierte. Woran erkenne ich Kindeswohlgefährdung? Und was müssen in der Jugendarbeit Tätige bei einem Verdacht tun? Um diese Fragen dreht sich die Tagesveranstaltung.

Sigrid Nolte, Jugendbildungsreferentin des Dekanates Göttingen, ist Kindeswohlgefährdung gleich sexueller Missbrauch?

Nolte: Nein, Kindeswohlgefährdung umfasst mehr als sexualisierte Gewalt. Kindeswohlgefährdung betrifft auch Fälle von Vernachlässigung oder von psychischer Gewalt, wenn dem Kind geschadet wird und das negative Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohl des Kindes hat. Das beginnt schon, wenn Gruppenleiter feststellen, dass ein Kind zu Hause kein Essen bekommen hat oder wenn es inadäquat gekleidet ist oder offensichtlich vernachlässigt. Auch da muss man eigentlich schon sagen, das kann Kindeswohlgefährdung sein und muss geklärt werden.

An wen sollten sich Jugendleiter in so einem Fall wenden? Gleich zum Jugendamt?

Nolte: Zunächst einmal an die hauptamtlichen Jugendreferenten oder natürlich auch an den BDKJ. Da gibt es qualifizierte Ansprechpartner. Das Jugendamt würde ich erst einschalten, wenn eine ernsthafte Gefahr für das Kind besteht. Darum geht es auch in der Tagung: Wo beginnt Kindeswohlgefährdung? Wie kann man sie erkennen und was sollte man bei einem Verdacht tun.

Hat sich seit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im vergangenen Jahr etwas verändert in der katholischen Jugendarbeit?

Nolte: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Die Eltern sind sehr viel aufmerksamer geworden, was ihre Kinder und Jugendliche machen, fragen sich stärker, an welchen Orten ihre Kinder eventuell gefährdet sein könnten. Diese Fragen gibt es schon. Die Kinder und Jugendlichen selber müssen, glaube ich, für das Thema noch sensibilisiert werden. Kinder haben ein gutes Gefühl dafür, wenn etwas nicht in Ordnung ist, sie sprechen das Thema aber nicht an. Das ist dann auch unsere Arbeit, dass man darüber spricht, aufklärt und informiert: Kindern einzuschärfen, dass sie „Nein“ sagen lernen. Und dass sie sich jemanden anvertrauen.

Stichwort „Vertrauen“: Können Jugendleiter noch unbefangen mit den ihnen anvertrauten Kindern umgehen? Oder steht über jeder Umarmung ein Generalverdacht?

Nolte: Man sollte sich immer bewusst sein, dass Dinge falsch ausgelegt werden können. Aber ich glaube, wenn das Verhältnis sowieso stimmt, dann kann man ein Kind auch mal zum Trösten in den Arm nehmen. Wichtig ist nur, dass man das an öffentlichen Orten macht und nicht in versteckten Ecken, wo es komisch wirken kann. Aber Vertrauen schaffen ist nach wie vor das Wichtigste.


Die Fachtagung „Starke Worte! Starke Kinder!“ findet statt am 12. November in Göttingen (Michaelsviertel, Kurze Straße 13) und am 10. Dezember in Neu-Wulmstorf (Pfarrheim St. Josef, Querweg 8-10). Anmeldeschluss ist am 1. November für Göttingen und am 25. November für Neu Wulmstorf. Interessierte sollten sich anmelden beim BDKJ Diözesanverband Hildesheim, Maren Trümper, Domhof 18-21, 31134 Hildesheim, E-Mail: maren.truemper@bistum-hildesheim.de – oder über das Internet: www.bdkj-hildesheim.de/themen/bildung/fachtagung-kindeswohl/