Vor der Firmung in den Hörsaal

Bischof Norbert Trelle hält Vorlesung an der „Firmuni“

Göttingen (kpg) – Diese Situation war auch für den Hildesheimer Bischof Norbert Trelle keine gewöhnliche: Im großen Hörsaal Maximus der mathematischen Fakultät der Göttinger Universität sprach er vor 200 Jugendlichen, die sich in diesen Wochen auf ihre Firmung vorbereiten.

Die Vorlesung des Bischofs war Bestandteil der „Firmuni“, mit der das Dekanat Göttingen nach dem Vorbild der Kinderuniversität neue Wege in der Firmvorbereitung geht. „Wenn es ein Chemie- oder Physikprofessor schafft, einen ganzen Hörsaal voller Kinder zu begeistern, warum sollten wir dann nicht Jugendliche vom Thema Religion begeistern können?“, so Torsten Thiel, Jugendseelsorger des Dekanates und Erfinder der „Firmuni“.

Dass das kein leichtes Unterfangen ist, zeigte sich in dem 50-minütigen Referat des Bischofs, das den Schülerinnen und Schülern inhaltlich einiges abverlangte. „Nach Jesus fragen“ lautete das Motto des Vortrages. Trelle verknüpfte Anekdotisches und Geschichtliches, zitierte Dürrenmatt und Kierkegaard, erteilte dem fundamentalistischen Gottesbild eine Absage und versuchte den Jugendlichen die Weihnachtsbotschaft der Menschwerdung Gottes zu erläutern. Seine Botschaft an die 15- und 16-Jährigen: „Lasst Jesus in eurem Alltag eine Rolle spielen.“ Am besten gelinge das mit Hilfe des Gebetes. „Redet wie ein Freund mit einem Freund“, gab er den Firmbewerbern den Rat des Ignatius von Loyola mit auf den Weg.

„Man musste sich schon sehr reindenken“, gibt die 16-jährige Anna zu. „Aber dann war es sehr interessant“, ergänzt Benedikt, 15 Jahre alt. Und beide sind sich einig: Die Chance, den Bischof einmal persönlich zu erleben, wollten sie sich nicht entgehen lassen. Auch Dekanatsjugendreferentin Sigrid Nolte empfindet die Firmuni, die insgesamt aus vier Vorlesungen an vier Abenden besteht, als Bereicherung: „Der Bischof und die Priester zeigen den Jugendlichen die theologischen Grundlinien des Glaubens auf. Damit geben sie der Firmvorbereitung eine Substanz und besondere Note.“

Insgesamt geht das neue Konzept der Firmvorbereitung – einer Mischung aus gemeindlichen Aktionen, freiwilligen übergemeindlichen sozialen und kulturellen Aktivitäten und eben der „Firmuni“ – auf. Waren in den vergangenen Jahren nur gut 20 Prozent der katholischen Jugendlichen eines Jahrgangs bereit, sich firmen zu lassen, sind es nun 50 Prozent, so Thiel. „Wir sind total überrascht über diese große Resonanz.“ Beliebt ist das neue Firmkonzept auch über Göttingen hinaus. Der Pastoralreferent hat bereits Anfragen von Kollegen aus ganz Niedersachsen, die seine „Firmuni“ kopieren wollen.