Vor der Firmung in den Hörsaal

Eine „Firmuni“ bereitet Jugendliche des Dekanates auf die Firmung vor

Nachmittagsunterricht in Kleingruppen – das war einmal. In Göttingen bereiten sich die Jugendlichen mit einer Mischung aus selbst gewählten Aktivitäten und der „Firmuni“ nach dem Vorbild der Kinderuniversität auf ihre Firmung vor. Vier Vorlesungen werden sich die Firmlinge anhören, die erste findet statt am kommenden Dienstag, 10. August. Auch Interessierte sind herzlich eingeladen.

Göttingen (kpg) - „Wenn es ein Chemie- oder Physikprofessor schafft, einen ganzen Hörsaal voller Kinder zu begeistern, warum sollten wir dann nicht Jugendliche vom Thema Religion begeistern können?“ hat sich Torsten Thiel, Jugendseelsorger des Dekanates Göttingen, gefragt – und vor zwei Jahren die „Firmuni“ erfunden. Und das Konzept ging auf: Waren in den Jahren zuvor nur rund 20 Prozent der katholischen Jugendlichen eines Jahrgangs bereit, sich firmen zu lassen, so der Pastoralreferent, waren es vor zwei Jahren mit 200 Firmbewerbern 50 Prozent. Ähnlich erfolgreich verspricht auch dieser Jahrgang zu werden: 192 Jugendliche wollen sich in diesem Herbst firmen lassen. Bis dahin werden sie sich vier Vorlesungen anhören. Während vor zwei Jahren neben dem Hildesheimer Bischof Norbert Trelle und dem Regens des Priesterseminars für das Bistum die Pfarrer des Dekanates über verschiedene Aspekte des Glaubens sprachen, sind es dieses Mal Vertreter aus vier Berufsgruppen, die über ihre Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen von Christsein im Job erzählen.

Den Anfang macht Jugendrichter Thomas Matusche aus Dransfeld. Er spricht am Dienstag, 10. August, über sein Christsein als Jugendrichter. „An den Grenzen des Rechts“ heißt die Vorlesung, die um 18 Uhr im Hörsaal AUDI 11 in der Weender Landstraße 2 beginnt. Ihm folgt am Dienstag, 14. September, Rainer Nolte mit seiner Vorlesung zum Thema „An den Grenzen der Macht: Christsein als Polizist“. Im dritten Teil der Reihe am Dienstag, 28. September, referiert Reinhold Kantus über „Christsein im Umweltschutz: An den Grenzen der Natur“. Den Abschluss am Dienstag, 26. Oktober, bildet dann Lorenz Trümper. Er spricht über die „Grenzen des Lebens“ und seine Erfahrungen als christlicher Arzt. Alle Referenten stellen ihre Zeit ehrenamtlich zur Verfügung. Torsten Thiel rechnet damit, dass diese Themen nicht nur die jugendlichen Firmbewerber interessiert und hat deshalb einen großen Hörsaal gebucht. 280 Plätze fast das Auditorium AUDI 11 an der Weender Landstraße 2.

Zur Vorbereitung auf ihre Firmung können die Jugendlichen zudem neben der Firmuni, die für alle verpflichtend ist, aus über 20 verschiedenen Angeboten wählen: Der Einblick in den Alltag eines Krankenhauses ist ebenso dabei wie ein Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Moringen, eine Exkursion nach Hamburg zur Ausstellung „Dialog im Dunkeln“, eine Paddeltour auf der Werra oder eine Pilgerwanderung von Friedland nach Klein Schneen. Die Firmvorbereitung übernehmen sowohl hauptamtliche Mitarbeiter des Dekanates Göttingen als auch Ehrenamtliche aus den einzelnen Pfarreien. Eine Veranstaltung zu besuchen, ist für die 15- und 16-Jährigen verpflichtend, viele jedoch entscheiden sich freiwillig noch für ein zusätzliches Angebot: für Torsten Thiel das Zeichen, das das Firmkonzept aufgeht.

Die Termine der „Firmuni“ im Einzelnen: An den Dienstagen am 10. August, 14. und 28. September sowie 26. Oktober um 18 Uhr im Hörsaal AUDI 11, Weender Landstraße 2 (s. auch unter "Veranstaltungen").

Stichwort „Firmung“:
Die Firmung (lateinisch „confirmatio“, Bestätigung, Bekräftigung) ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche. Die Firmung gilt als „Vollendung der Taufe“. Denn anders als bei der frühkindlichen Taufe bekräftigt der Firmbewerber noch einmal selbst seinen Glauben und seine Zugehörigkeit zur Kirche. Er erfährt Stärkung (lateinisch „firmus“, stark) durch die Kraft des Heiligen Geistes. Für Pastoralreferent Torsten Thiel ist die Firmung zugleich eine Begleitung auf dem Weg zum Erwachsenwerden. „Jugendliche sollen spüren: Ich gehe diesen Weg nicht allein, sondern ich erfahre Stärkung durch Gott.“