Naturwissenschaft und Glaube - Impuls
von Wolfgang Felber sj
„Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch – aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott“ so Werner Heisenberg (1901-1976) – Begründer der Quanten-Mechanik während seiner Zeit in Göttingen (in den 1920er-Jahren ein geistiges Zentrum der modernen Physik).
Naturwissenschaft beantwortet also nicht die Sinnfrage: je tiefer wir forschen, desto weniger lässt sich die Wirklichkeit einfach erklären. Die großen Wissenschaftler waren durchaus religiös; Quantentheorie und Theologie treffen sich in der Haltung zur Wirklichkeit:
- Staunen statt Beherrschen: die Welt ist nicht vollständig berechenbar oder kontrollierbar. Sie entzieht sich vollständiger Berechnung.
- Offenheit statt Absolutheit: die Zukunft ist kein festgeschriebenes Drehbuch. Es gibtRaum für Freiheit, Verantwortung, Hoffnung.
- Demut statt Allwissen: es gibt nie eine totale Verfügbarkeit der Wirklichkeit. Physik beschreibt Möglichkeiten, keine absolute Gewissheit.
- Die Welt ist kein Uhrwerk, sondern ein Raum, in dem Sinn möglich ist.
Für uns in Göttingen ist es schön, dass ausgerechnet hier eine Physik entstand, die uns lehrt: Wirklichkeit ist mehr als wir messen können. Die Quanten-Theorie beweist Gott nicht, aber sie zerstört den Mythos, dass nur das Messbare wirklich ist.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Glaube beginnt: nicht da, wo alles erklärt ist, sondern dort, wo Vertrauen möglich wird.
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