Leben zwischen den Zeiten - Impuls
Es ist eine merkwürdige Zeit: Weihnachten liegt hinter uns, das neue Jahr ist noch nicht da. Kalendarisch stehen wir „zwischen den Jahren“. In dieser Zwischenzeit, in der vieles ruht, regt sich oft etwas Unerwartetes. Gedanken klären sich; manchmal auch das Herz.
Am 27. Dezember feiert die Kirche das Fest des Apostels Johannes. Sein Evangelium erzählt von Jüngern, die zum Grab eilen. Sie sehen Spuren: Leinentücher, offene Türen, Leere. Was sie sehen, ist noch nicht das Ganze. Doch sie treten ein. Und irgendwann begreifen sie, was vorher verborgen war.
Manchmal braucht es ein zweites Sehen -nicht mit den Augen, sondern mit innerer Bereitschaft.
Erkenntnis kündigt sich nicht an. Sie tritt ein, wenn der Kopf noch sucht und das Herz schon ahnt. Auch an einer Universitätsstadt geschieht vieles im Stillen. Zwischen zwei Versuchen, zwischen Texten, zwischen Jahren. Das Unspektakuläre birgt oft Tiefe. Simone Weil schrieb: „Die Aufmerksamkeit ist das seltenste und reinste Geschenk.“ Vielleicht beginnt sie genau bei uns selbst. Vielleicht ist jetzt die Zeit, das Unscheinbare zu würdigen.
Nicht alles, was Bedeutung gewinnt, macht sich gleich bemerkbar. Manches wächst leise, in einem Raum, den wir halten und aufmerksam bewohnen können. Was sich da regt, kündigt sich nicht mit großen Worten an. Es tritt nicht laut hervor, aber es ist längst da.







