„Mit Konkurrenz kommen wir nicht weiter“

Der Dekanatspastoralrat begrüßte das neue Jahr gemeinsam mit Vertretern der Stadtgesellschaft und Partnern im interreligiösen Dialog

Freude über den Erhalt der Bonifatiusschule II und Trauer über den Weggang der Vinzentinerinnen aus Göttingen – das waren die Emotionen, die den Neujahrsempfang des Dekanatspastoralrates heute in der Kirche St. Heinrich und Kunigunde in Göttingen-Grone prägten. „Dass die Schwestern das Krankenhaus Neumariahilf verlassen haben, war der Tiefpunkt des Jahres“, konstatierte Dechant Wigbert Schwarze in seiner Predigt im Festgottesdienst. Corinna Morys-Wortmann, die zweite Vorsitzende des Dekanatspastoralrates, lobte die Entscheidung von Bischof Norbert Trelle, die Haupt- und Realschule Bonifatiusschule II weiter zu erhalten, auch wenn das Soll an katholischen Schülern für eine Konkordatsschule zunächst nicht erreicht wird. „Hier haben die pädagogische Bedeutung und der Elternwille das Übergewicht gewonnen gegenüber wirtschaftlichen Aspekten“, analysierte sie. Auch Bürgermeister Wilhelm Gerhardy freute sich darüber, dass die „traditionsreiche und beliebte Schule die Göttinger Schullandschaft weiter bereichert.“


Die Dekanatsleitung und die Gäste blickten zurück auf zahlreiche erfolgreiche Aktionen im Jahr 2012: Das Projekt „Göttinger Psalter“, das mit fast 400 Veranstaltungen ein Jahr lang einlud, die Psalmen neu zu entdecken, wird am kommenden Sonntag in Braunschweig mit dem Ökumene-Preis der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ausgezeichnet. Die Initiatoren Corinna Morys-Wortmann und Jens Wortmann werden es im Februar auf dem Kongress „Kirche hoch zwei“ in Hannover vorstellen. Der Bürgermeister hob auch ein weiteres Projekt des Ehepaars Wortmann hervor: Das Weihnachtsoratorium von Bach war in sechs Kirchen in sechs Gottesdiensten von Weihnachten bis zum 6. Januar zu hören – so, wie der Komponist die Kantaten ursprünglich geplant hatte. „Das Projekt hat viele von uns begeistert und für volle und sogar überfüllte Gotteshäuser gesorgt“, resümierte Gerhardy. Der evangelische Superintendent Friedrich Selter lobte die Ausstellung „LebensKunstSterben“ mit einem umfangreichen Rahmenprogramm, an dem sich auch die evangelische Kirche beteiligte. „Mit Konkurrenz untereinander kommen wir nicht weiter“, appellierte er – nicht zuletzt mit Blick auf das bevorstehende Reformationsjubiläum.


Nachdenkliche Töne kamen von den Vertretern der jüdischen und muslimischen Gemeinden. Oguz Akdemir, Imam der DiTiB Göttingen, drückte seine Sorge über den Bürgerkrieg in Syrien aus und erinnerte an drei rechtsradikale Schmäh-Attacken gegen seine Gemeinde und das Moscheegebäude. Jacqueline Jürgenliemk, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, ließ die so genannte Beschneidungsdebatte noch einmal Revue passieren und zeigte drastisch, welche Folgen es für Göttinger jüdische Familien gehabt hätte, wäre die Beschneidung tatsächlich verboten worden: Sie hätten für die Beschneidung ins Ausland reisen müssen und wären in Deutschland dafür kriminalisiert worden. Corinna Morys-Wortmann versicherte den Juden und Muslimen die Solidarität der katholischen Kirche. Friedrich Selter erinnerte daran, dass das Jahr 2013 innerhalb der Lutherdekade unter dem Thema „Toleranz“ steht. Für seine Forderung, die NPD bald zu verbieten, erntete er spontanen Applaus.