„Verantwortung wird gelebt“

Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger und UMG-Vorstand tauschen sich über Rolle von Universitätsmedizin und Seelsorge aus.

Die Aufgaben der Universitätsklinik, Spiritualität und verantwortliches Handeln im Klinikalltag, Wirtschaftlichkeit und Humanität bei der Krankenversorgung: Vorstand der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger tauschen sich aus. Besuch im Rahmen der Visitation des katholischen Dekanats Göttingen.

Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger besuchte die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im Rahmen seiner Visitation der Gemeinden und Einrichtungen der katholischen Kirche im Dekanat Göttingen. An der UMG traf sich Dr. Schwerdtfeger in Begleitung von Dechant Wigbert Schwarze mit den katholischen Klinikseelsorgern Pastoralreferentin Annette Stechmann und Pastoralreferent Andreas Kieslich. Im Anschluss an die Gespräche mit den Klinikseelsorgern tauschten sich der Weihbischof und die Vorstandsmitglieder der UMG, Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Sprecher des Vorstandes der UMG, und Dr. Sebastian Freytag, Vorstand Wirtschafsführung und Administration der UMG, in einem Gespräch aus.

Prof. Dr. Heyo K. Kroemer unterstrich die wichtige Funktion der Klinikseelsorge für eine so große klinische Einrichtung wie die UMG. Als größter Arbeitgeber der Region mit über 7.800 Beschäftigten sei die UMG ein Spiegel der Gesellschaft mit allen Facetten und Religionen. Kroemer sagte: „Die universitäre Medizin in Göttingen trägt bei der sich dramatisch wandelnden Alterung der Gesellschaft, gerade auch der Bevölkerung in der Region Südniedersachsen, eine große Verantwortung. Die UMG ist hier die einzige klinische Einrichtung, die die notwendigen Aufgaben eines Maximalversorgers übernimmt.“ Dieser Notwendigkeit werde durch die Unterstützung und Finanzierung der großen Bauvorhaben durch das Land Niedersachsen Rechnung getragen, so der Vorstandsprecher.

Weihbischof Dr. Schwerdtfeger bestätigte die Wichtigkeit der Kooperation von universitärer Medizin und den kleineren Krankenhäusern in der Region am Beispiel des St. Martini-Krankenhauses in Duderstadt. Diese Zusammenarbeit sichere die Daseinsvorsorge und medizinische Grundversorgung der Bevölkerung auch in den bevölkerungsarmen, ländlichen Regionen. Kroemer sagte dazu: „Eine solche Aufgabe ist nach dem Verständnis des Vorstandes der UMG unverzichtbar. Sie darf nicht wegfallen.“

Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass die Fragen der Wirtschaftlichkeit von medizinischer Versorgung nicht die Humanität bei der Behandlung kranker Menschen überlagern dürfe. Dennoch gelten die schwierigen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für alle klinischen Einrichtungen, egal in welcher Trägerschaft. „Auch die kirchlichen Häuser unterliegen den großen finanziellen Belastungen“, bestätigte Schwerdtfeger. Hier gelte es die Fragen nach ökonomischen Synergieeffekten zu prüfen. Die Rolle des Finanzierungssystems gebe die Leitdaten vor und sei schwierig zu ändern.

PALLIATIVMEDIZIN ALS BEISPIEL HUMANISTISCHER VERSORGUNG

Als ein Beispiel für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung der Universitätsmedizin Göttingen nannte Prof. Kroemer die palliativmedizinische Versorgung an der UMG. Hier träfen sich humanistischer Aspekt und Wissenschaftlichkeit. Eine solche medizinische Disziplin „verdiene“ kein Geld. Das gelte erst Recht für die ambulante palliativmedizinische Versorgung in der Region und für die Kinderpalliativmedizin, die gemeinsam von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und der Klinik für Palliativmedizin getragen werde. Pastoralreferentin Annette Stechmann sah gerade in diesem Aufgabenbereich palliativmedizinischer Betreuung die starke Rolle der Klinikseelsorge: „Hier sind wir Teil des Teams und kommen nicht erst dazu“, so Stechmann.

GUTES MITEINANDER DER RELIGIONEN AN DER UMG

Dr. Sebastian Freytag, Vorstand Wirtschaftsführung und Administration, betonte das gute Zusammengehen aller Religionen katholischen, evangelischen, jüdischen und muslimischen Glaubens an der UMG. „Das ist an anderen Standorten nicht so“, so Freytag. „An der UMG und in Göttingen haben wir ein gutes Miteinander.“ Weihbischof Schwerdtfeger unterstrich diese Notwendigkeit: „Sie behandeln nicht nur Krankheiten, sondern kranke Menschen. Dieser unmittelbare Kontakt verbindet die Menschen“, so Schwerdtfeger. Prof. Kroemer: „Bei allen Problemen mit der Wirtschaftlichkeit: Das menschliche Gesicht gehört beim Umgang mit den Patienten dazu.“ Immer wieder bedürfe auch das ärztliche und pflegerische Personal der Unterstützung durch die Klinikseelsorge, die dann dazu gerufen werde und mit Zuhören und Gesprächen helfen könne.

„MENSCHEN SCHAUEN NACH MENSCHEN, DIE IN NOT SIND“

Sowohl Schwerdtfeger wie Kroemer und Freytag sahen die Wichtigkeit spiritueller und humanistischerBegleitung bei allen Zwängen: „Das Krankenhaus ist ein Ort, an dem Menschen nach Menschen schauen, die in Not sind“, sagte Schwerdtfeger. Der Andachtsraum in dem großen Krankenhausbetrieb sei auch „ein Stück Unterbrechung der Routine, ein Stück Heimat“, so der Weihbischof. Immer wieder werde der Raum nicht nur von Patienten oder Besuchern genutzt, sondern auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der UMG für eine besinnliche Pause und Auszeit.

FAZIT: KOSTBARKEIT DER VERANTWORTUNG WIRD GELEBT

Am Ende des Gesprächs dankte Weihbischof Dr. Schwerdtfeger dem UMG-Vorstand für dessen „Dienst an der Gesellschaft“ und seinen Blick für die große Verantwortung bei der enormen Vielfalt und großen Komplexität der Organisation. Er habe den Eindruck, dass an der Göttinger Universitätsmedizin eine gute Versorgung unter Beachtung der „Kostbarkeit der Verantwortung“ betrieben werde. Schwerdtfegers Fazit: „Der Name Gottes wird hier gelebt.“

VISITATION

Während einer Visitations-Reise spricht der Weihbischof mit den Seelsorgern, den Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen, kirchlichen Mitarbeitern und Gemeindemitgliedern. Eine Visitation dient zugleich der Überprüfung der Finanzen und der kirchlichen Bauten. Das Kirchenrecht verlangt eine solche „Visitation“ spätestens alle fünf Jahre. Die Bezeichnung geht auf das lateinische Wort „visitare“ für „besuchen“ zurück – wie auch die „Visite“ eines Arztes im Krankenhaus.

Dr. Nikolaus Schwerdtfeger wurde 1948 in Haar in Bayern geboren. Sein Studium der Philosophie und Theologie absolvierte er in Frankfurt am Main, Rom und Freiburg im Breisgau. Nach seiner Priesterweihe 1982 wurde er Kaplan in Celle, anschließend Bischöflicher Kaplan in Hildesheim-Himmelsthür. Vor seiner Bischofsweihe 1995 war er Pfarrer in Goslar. Schwerdtfeger ist Mitglied der Ökumene-Kommission und der Caritas-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz.

umg